Wie du aufhörst, dich durch deine eigenen Mauern einzuschränken:

Eine Mauer die wir uns aufbauen, ist wie ein eigenes geistiges Gefängnis.

Eigentlich bist du frei und musst keinen bestimmten Regeln folgen, du kannst dich komplett frei entfalten. Doch du setzt dir selbst Grenzen. Du fühlst und denkst, dass diese Grenzen wichtig sein müssen, damit du den Erwartungen deines Umfeldes entsprichst. Du darfst doch jetzt keine Ausnahme bilden. Alles geht seine geordneten Bahnen und du musst in diesen Bahnen bleiben. Was sollen die Leute denken, wenn du heute so bist und morgen so?

Wie wir uns benennen und  selbst einschränken

Nein als … (hier kannst du alles einsetzten mit dem du dich identifizierst z.B. Arzt, Lehrer, Bänker, Gärtner, Vater, Mutter, Gläubiger, Schüler, Hanswurst, Dieter) muss man sich auf jeden Fall auf eine bestimmte Art und Weise verhalten. Wenn du dich als Dieter anders verhältst als man es von einem Dieter erwarten würde, das würde absolut nicht passen. Du würdest vermutlich ausgegrenzt werden. Leute würden dich nicht mehr akzeptieren, denn du passt nicht mehr in die Gesellschaft. Ein Dieter, der sich nicht wie ein Dieter verhält, sondern vielleicht wie ein Rüdiger. Das geht gar nicht. Vielleicht musst du schmunzeln bei dem Beispiel mit Dieter. „Wie soll sich denn bitte ein Dieter verhalten?“, denkst du dir. Und damit triffst du genau ins Schwarze. Es ist absolut bescheuert, sich vorzustellen, wie ein Dieter sich verhalten würde, damit man als Dieter ja nichts falsch macht. Es macht überhaupt keinen Sinn. Ich würde jedem Dieter sagen, sei dein eigener Dieter. Es gibt keinen Grund dir Grenzen zu setzen. Warum fühlst du dich nicht frei? Sei frei und schreibe dir selbst nicht vor wie du zu sein hast. Jeder Dieter ist fucking einzigartig, wie das ganze verdammte Leben da außen. Alles einzigartig und unperfekt. Wie schade ist es, wenn wir uns da Grenzen setzen. Es ist wie wenn wir unser Lebenslicht in eine kleine Glaskugel sperren mit wenig Sauerstoff, sodass die Flamme fast erlischt, obwohl es ein loderndes Feuer sein könnte, das voller Energie brennt. Keiner schreibt uns vor, dass wir uns diese Grenzen setzen sollen. Und trotzdem machen wir es. Weil wir denken, das müsste sein. Die Leute akzeptieren uns nicht mehr, wenn wir uns nicht regelkonform verhalten. „Du bist ein Arzt, also verhalte dich wie einer.“ „Du bist Bänker, also verhalte dich wie einer.“ „Du bist ein politisch linksorientierter, bisexueller Transgender des 3. Geschlechts, also verhalte dich auch wie einer… oder eines.“ „Ich schreibe hier einen Blog über positive Psychologie. Das heißt ich muss zu jeder Zeit ausgeglichen sein, darf niemanden durch den Kakau ziehen und muss einen unantastbaren Selbstwert haben. Oder zumindest muss es so aussehen?“ Was für ein Blödsinn 😀 Ich schreibe frei heraus. Es klappt nicht immer. Manchmal kommen die Gedanken: „Puh, ne, das kannst du nicht schreiben. Das kommt schlecht an. So schreibt kein Psychologe.“ Aber das ist alles Bums. Letzens, an einem angenehmen Frühlings-Abend kam mir diese Erkenntnis klarer als je zuvor. So klar, dass ich sie direkt aufschreiben musste: Nach einer gemütlichen Runde mit meiner Familie und einem leckeren Abendessen auf der Terrasse, saß ich stundenlang einfach nur da und bestaunte den angrenzenden Wald bei Dämmerung. In mir kam eine Bewunderung auf für die Schönheit und Leichtigkeit und ich genoss zutiefst diese friedvolle Stille, die mich umarmte. Eine Schönheit über die man nicht sprechen möchte, weil man sie sowieso nicht beschreiben kann. Und diese Stille spiegelte mir meine  Gedanken. Meine Sorgen, wie alles laufen müsste, wie ich sein müsste, wie meine Arbeit sein müsste, wie die Welt sein müsste, wie jeder kleine Furz gefurzt werden müsste. Und mir wurde auf einmal klar, wie bescheuert das alles ist. Wie ich mir selbst Regeln vorschrieb, die ich einzuhalten hätte. Sofort kamen die Alarmgedanken: „Ööööh halt! Das ist ein Notfall! Du kannst diese Regeln nicht einfach über Bord werfen. Sie sind leeebenswichtig. Die Gesellschaft besteht auf sie. Die Gesääääääälllschaaaaft…du musst…das geht doch nicht… du musst verdammt nochmal…“ Blablabla. „So ein riesengroßer, wahnsinniger Schwachsinn“ würde ich jetzt am liebsten rufen, wenn ich mir meine eigenen Zeilen durchlese. Ich werde da direkt etwas wütend. Warum? Weil es da draußen so viele Leute gibt, die uns beschreiben wollen, wie wir zu sein haben.

Wie die Außenwelt uns einschränkt

Es gibt viele Personen, Unternehmen etc., die uns einreden, wir müssten uns noch da optimieren und dort verbessern, damit wir ja in das Bild passen. Aber das Bild ist im Grunde ein absolutes Scheißbild, nach dem jeder Mensch gleich wäre. Wie langweilig! „Wie sollte das sein, wie sollte dies sein, wie sollte meine Glatze rasiert sein, wie sollte mein Hund gefüttert werden und vor allem wie werde ich attraktiv!“ Tausende wissen die Antwort. Du musst nur diese 5000 Dinge beachten und falls nicht. Na dann bist du halt ein Noop! Du Volltrottel. Wie kannst du es auch wagen, einfach du selbst zu sein und damit auch noch glücklich zu sein? Und dich vor allem ohne deinen Gilette mit 80-facher Klinge zu rasieren? Da wird dein Bart bestimmt scheiße aussehen und du wirst für immer einsam bleiben und als jämmerlicher, verdorrter, kleiner Geist sterben. (Nichts gegen Gilette an sich by the way. Ich habe es hier lediglich als Beispiel herangezogen, wie Werbung uns vorgaukelt, wir müssten einem bestimmten Muster folgen und dazu Dinge besitzen, sonst sind wir nicht vollständig.) Bevor das hier in eine absurde Hetztirade gegen Werbung ausartet, möchte ich nochmal etwas klarstellen. Es gibt wirklich nützliche Tipps und viele nützliche Dinge, die unser Leben einfacher und schöner machen können. Es ist wunderbar so viel Information kostenlos im Internet zur Verfügung zu haben. Ich bin absoluter Befürworter von Videos auf Youtube, die einem wertvolle Tipps für welchen Bereich auch immer zur Verfügung stellen können. Allerdings finde ich es blödsinnig, sich selbst Grenzen zu setzen und sich vorschreiben zu lassen, wie man attraktiv wird oder mit welchen Gesten man sympathisch wirkt oder wie ein erfolgreicher Mensch auszusehen hat oder, oder, oder… . Ich habe mir auch jahrelang solche Videos reingezogen. In meiner Jugend dachte ich, die Männer und Frauen (meist waren es Männer) da hinter der Kamera hätten den Heiligen Gral persönlich ausgegraben. Heute weiß ich: Es ist nur die Attrappe des Heiligen Grals. Eines ist mir während meines Psychologie-Studiums klar geworden: Es gibt eine schier unendliche Zahl an verschiedenen Ausprägungen und Persönlichkeiten. Die Vielfalt der Natur hat auch bei der Psyche des Menschen keinen Halt gemacht. Jeder Mensch ist sein eigenes Universum. Es gibt natürlich Parallelen, aber jeder Mensch ist im Grunde eine einzigartige Kombination aus Eigenschaften, Vorlieben, Träumen etc. Wie schade wäre es, wenn du dir vorschreiben lässt, wie du zu sein hast? Und deine ganz eigene Expression des Lebens unterdrückst, nur weil du denkst, das wäre falsch?

Bist du der Pinguin, der nur darauf schaut wie er sein müsste und sein eigenes Potential vergisst?

Stell dir mal vor, ein Pinguin würde die ganze Zeit nach oben schauen zu seinen Artgenossen und sich denken „Scheiße, ich krieg das einfach nicht hin mit dem Fliegen. Ich bin ein echter Versager.“ Und würde sich andauernd denken: „Ich muss aber fliegen. Das machen alle Vögel.“ Und sich dann schlecht fühlen, weil er es eben doch nicht kann. Dann kommt jedoch ein zweiter Pinguin, der ihm sagt: „Egal, was alle machen. Dir schreibt doch keiner vor, was du machen sollst oder?“ „Stimmt“, sagt der erste Pinguin nach einer nachdenklichen Minute, „aber was soll ich denn dann machen?“ „Du kannst alles machen, auf das du Bock hast!“, sagt der zweite. „Wow, so habe ich das noch garnicht betrachtet!“, sagt der erste Pinguin und springt mit purer Freude ins Wasser, um seinen Schwimmkünsten freien Lauf zu lassen. Kleiner Fact am Rande: Pinguine sind hervorragende Schwimmer, erreichen Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 25 km pro Stunde im Wasser und können bis 500 Meter tief tauchen!!! Das soll denen erstmal ein anderer Vogel nachmachen! Und was ist mit dir? Bist du auch ein Pinguin der ersten Sorte, der denkt er muss etwas machen, was gegen seine Natur ist? Dann bin ich der zweite Pinguin, der dir sagt: „Scheiß drauf!“ Sei du selbst verdammt noch mal! Es gibt so viele Menschen, die dich dafür schätzen werden, wenn du deine Mauern einreist. Du bereicherst die Welt mit deiner Vielfalt. Schränke dich nicht selbst ein, sondern mach einfach das, worauf du Lust hast. Und vor allem sei das, worauf du Lust hast! That´s it! Wenn du nicht der abgeklärte Typ sein willst mit dem Sportwagen, dann sei einfach der lässige Dude mit dem Fahrrad und dem durchgeknallten Humor. Lass dem Leben freien Lauf. Und beobachte vor allem, wie du dir selbst Grenzen setzt. Oft sind das Gedanken wie: „Ich kann aber nicht…, das geht nicht, weil…, öööh das kommt aber bestimmt komisch rüber…, eigentlich müsste ich doch…blabla“ Diese kleinen Gedanken schränken uns ein. Müssen sie aber nicht, wenn du beschließt, einen Feuchten darauf zu geben. 🙂

Auf ein Leben ohne geistige Mauern,

dein Max

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