Glücklich werden mit der Zufriedenheitsformel:

Es gibt eine Formel, die aussagen kann, wie glücklich und zufrieden wir uns fühlen. Ich nenne sie die Zufriedenheitsformel. Und ich werde sie dir gleich zeigen. Damit du diese Formel aber noch besser verstehen kannst, möchte ich dir anhand von zwei Reisenden eine kurze Geschichte erzählen:

Die zwei Freunde wanderten auf einem Pfad entlang mitten durch die Natur. Einer war ein erfahrener Wanderer, hatte schon viele Orte bereist und kannte bereits die schönsten Plätze der Welt. Der andere war unerfahren. Er wusste nicht was auf ihn zukommt und hatte von der Welt bisher wenig gesehen. Beide stapften durch die Natur, durch einen Wald, bis sich plötzlich eine Lichtung vor ihnen auftat, in der ein 15 m hoher rauschender Wasserfall zu sehen war, dessen Nebel und aufgewühlte Wassertropfen emporstiegen und sich in der warmen Frühlingssonne spiegelten. Der Unerfahrene war überwältigt von dem Anblick und schaute überglücklich auf den Wasserfall.  5 Minuten, 10 Minuten, 15 Minuten. Er konnte sich nicht sattsehen.

Der erfahrene Wanderer jedoch war wenig beeindruckt. Er kannte weitaus größere, mächtigere und schönere Wasserfälle. Und so setzte er sich nach ein paar Sekunden, in denen er sich den Wasserfall angesehen hatte, auf die den Boden und fing an etwas von seiner Brotzeit zu essen und mit aufkommender Ungeduld darauf zu warten, dass sie die Wanderung fortsetzten.

Welcher der Wanderer war wohl glücklicher und zufriedener in diesem Moment? War es der Unerfahrene oder der Erfahrene? Für beide ist es genau die gleiche Situation und dennoch ist der Unerfahrene deutlich glücklicher, weil die Realität seine Erwartungen übertroffen hat. Dagegen ist der Erfahrene Wanderer nicht zufriedener, weil er diesen Wasserfall bereits so erwartet hat oder er vielleicht sogar seine Erwartungen untertroffen hat.

Diese Erkenntnis führt uns direkt zurück zur Zufriedenheitsformel, die ziemlich universell für alles gilt und ich möchte sie dir hier offenbaren. Sie lautet:


Zufriedenheit = (wahrgenommene) Realität – Ansprüche/Wünsche/Erwartungen


Wie wir an dem obigen Beispiel der Wanderer erkennen, finden sie sich in der gleichen Situation wieder, der eine glücklich und der andere bestenfalls neutral gestimmt. Warum ist das so? Die Erwartungen des Unerfahrenen waren weniger groß, er hatte keine großen Erwartungen an die Situation. Dadurch konnte die Realität seine Erwartungen übertreffen. Die Bilanz der Zufriedenheitsformel war also positiv. Der Erfahrene dagegen hatte höhere Erwartungen aufgrund seiner Erfahrungen. Mit seinen Erwartungen konnte die Realität gerade so mithalten. Seine Zufriedenheitsformel war deshalb nicht positiv, sondern allenfalls bei 0 oder sogar im negativen Bereich, wenn er den Wasserfall eigentlich noch schöner erwartet hätte.

Zur Realität ist wichtig zu wissen, dass auch diese unterschiedlich wahrgenommen werden kann. So könnten dem Unerfahrenen Wanderer, da er länger hinschaut, viele kleine Details an dem Wasserfall auffallen, die das Erlebnis für ihn zusätzlich bereichern. Dem Erfahrenen würden diese Details gar nicht auffallen. Und so würde der Unerfahrene den Wasserfall voller Leben mit interessanten Tieren sehen, während es für den Erfahrenen einfach ein Wasserfall ohne etwas Besonderes wäre.

Ich war schon in beiden Rollen des Wanderers. Einmal so fasziniert vom Anblick der Natur und überglücklich. Auf der anderen Seite auch nicht beeindruckt und eher gelangweilt, weil ich schon so viele Wasserfälle gesehen hatte.

Diese Formel lässt sich auf sämtliche Situationen in deinem Leben anwenden. So zum Beispiel auch auf dein Dating-Leben. Wenn du dir sehnlichst wünschst, eine Freundin zu haben und es nicht funktioniert, wirst du unglücklich sein. Denn dein Wunsch, deine Erwartung an das Leben ist größer als deine jetzige Realität. Das gleiche gilt auch im kleinen Rahmen: Du sprichst eine Frau an und hoffst, dass du bei ihr ankommst. Sie blockt dich ab. Dein Wunsch war größer als die Realität jetzt ist, deshalb bist du unglücklich. Je größer die Spannung ist zwischen Wünschen, Erwartungen und Ansprüchen und der Realität, desto größer ist deine Unzufriedenheit. Je mehr die Realität unsere Erwartungen übertrifft, desto größer ist unsere Zufriedenheit. Wie können wir also zufriedener werden?

Wir können an den zwei folgenden Punkten ansetzen:

  1. Wir passen unsere Wünsche, Erwartungen und Ansprüche nach unten an
  2. Wir verändern unsere Realität, dass sie unsere Wünsche, Erwartungen und Ansprüche erfüllen und vielleicht sogar übertreffen kann.

1.       Die Wünsche, Erwartungen und Ansprüche anpassen

Dieser Punkt scheint erstmal der leichtere von den beiden zu sein. Schließlich ist das ja eine persönliche Einstellungssache, die man direkt beeinflussen kann, oder? Jain. Man kann sich hier sehr leicht selbst belügen. Indem man sich vorgaukelt, schon zufrieden zu sein, es innerlich aber überhaupt nicht ist. In diesem Fall überdeckt man seine Unzufriedenheit nur und leugnet sie, wodurch sie immer größer wird, bis zu einem Punkt, an dem man sie nicht mehr leugnen kann und man sich schmerzlich eingestehen muss, dass man sich etwas vorgemacht hat. Die Erwartungen anzupassen, macht also nur Sinn, wenn du sehr ehrlich mit dir bist und dich ehrlich fragst, ob du diesen Wunsch wirklich erfüllen musst, um wirklich glücklich zu sein. Im Fall des erfahrenen Wanderers könnte das so aussehen: Statt gelangweilt zu sein, von dem Wasserfall, weil er eigentlich einen größeren erwartet hätte, könnte er sich überlegen, ob er nicht auch diesen Wasserfall genießen kann. Ob er nicht trotzdem etwas Schönes an der Situation finden kann, zum Beispiel das beruhigende Rauschen und die zwitschernden Vögel, die lebendig im ganzen Wald umherfliegen. Vielleicht würde er zu dem Schluss kommen, dass die Situation eigentlich wunderbar ist, um sich zu entspannen und sie auf einmal genießen. Damit hätte er erfolgreich seine Ansprüche gesenkt und wäre auf einmal zufriedener.

Oft geht es bei diesem Punkt gar nicht darum, sich mit weniger zufrieden zu geben, sondern eine andere Perspektive auf die Dinge zu bekommen und andere Dinge wertzuschätzen. Das leitet uns direkt über zum zweiten Punkt

2.       Die Realität ändern

Wie schon angemerkt, kann man seine Realität ändern, ohne die Realität wirklich zu ändern. Es ist fast schon verrückt, durch wie viele Filter und Konditionierungen wir die Realität wahrnehmen. Da kann es schon mal passieren, dass zwei Menschen in ein und derselben Situation stecken, doch die Wahrnehmung dieser grundlegend verschieden ist. Der eine erlebt das hübsche Mädchen, das einen erstmal komisch anschaut, nachdem man es angesprochen hat als tief verletzend und fühlt sich persönlich wertloser als ein Mückenschiss auf dem Dachbodenfenster. Ein anderer sieht den komischen Blick als Schüchternheit der Frau, bzw. als Angst vor Ablehnung an oder als Spiel und sieht es als Herausforderung. Es gibt immer viele Wege die Situation zu interpretieren. Ein wichtiger Hinweis hier ist es also, die Aufmerksamkeit möglichst auf die positiven Interpretationsmöglichkeiten zu lenken. Da unser Hochleistungsapparat zwischen unseren Ohren jedoch alles aus Sicht der Vergangenheit interpretiert, geht das nicht immer von heute auf morgen, sondern bedarf manchmal mehr Ausdauer und mehr Aufmerksamkeit und eventuell auch einer tieferen Auseinandersetzung mit den eigenen Glaubenssätzen. Dennoch ist es sehr lohnend sich damit zu beschäftigen, da die eigene Wahrnehmung manchmal sehr verzerrt sein kann und man sich damit unnötig selbst im Weg steht.

Der zweite und langfristig meist beste Weg, die wahrgenommene Realität zu verändern, ist natürlich die Realität an sich zu verändern. Für den erfahrenen Wanderer würde es bedeuten, an einen Ort zu fahren, der ihn wieder mehr erfüllt. Für den Mann, der keine Frauen kennenlernt, würde es bedeuten, mehr Frauen kennenzulernen, indem er an einem Tanzkurs teilnimmt, Frauen im Alltag anspricht oder indem er seinen Freundeskreis erweitert. Ein Ziel zu erreichen, das man sich immer gewünscht hat, ist unheimlich erfüllend und ist die Mühen des Weges absolut wert. Die Realität zu verändern ist also die größte Fähigkeit überhaupt.

Aber wann verändert man was?

Es ist nicht immer möglich und in manchen Fällen auch nicht weise, die Realität zu ändern. So würde es für den erfahrenen Wanderer vielleicht mehr Sinn machen, wenn er wieder einen neuen Zugang zu seiner aktuellen Realität findet, mit der er den Wasserfall wieder mehr wertschätzen kann, anstatt zum nächsten Ort zu hasten, in der Hoffnung auf Erfüllung. Es erfordert Weisheit zu entscheiden, in welchen Situationen man seine Ansprüche senkt, die Realität anders wahrnehmen oder die Realität tatsächlich verändern sollte. Reinhold Niebuhr fasste das sehr gut in seinem Gebet zusammen:

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
  den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
  und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Egal, ob du an Gott glaubst oder nicht: Das sind ein paar bedeutsame Zeilen für deine Lebenszufriedenheit. Falls du Atheist bist, lass Gott einfach weg und ersetze es gedanklich mit „Ich wünsche mir…“ :b. So, das Religions-Gebrabbel wäre geklärt. Kommen wir zum Kern dieses Artikels: Es macht in jedem Fall Sinn, an deiner Gelassenheit, deinem Mut und deiner Weisheit und Lebenserfahrung zu arbeiten und sich über die Zufriedenheitsformel bewusst zu sein. In den meisten Fällen ist es sinnvoll die Realität zu verändern, auch wenn es schwierig erscheint. Oft erfordert es einen hohen Preis, Investitionen etc… doch fast immer ist es dies auch wert. Deswegen mein Freund möchte ich dir mitgeben: Traue dich groß zu träumen und setzte alles in die Erreichung deiner Ziele, aber gebe dich mit den Dingen zufrieden, die nicht ganz so laufen, wie du es dir vorgestellt hast. Dieser Spagat ist nicht immer einfach und es liegt in deiner Hand, wann du welchen Teil der Zufriedenheitsformel veränderst. Dennoch weiß keiner so gut wie du, was für dich am besten ist. Deswegen höre auf deine innere Stimme. Sie wird dir den richtigen Rat geben.

Kleine Randnotiz: Manchmal kann es vorkommen, dass man glaubt, die Realität nicht ändern zu können, obwohl man es doch könnte und es sinnvoll wäre. Besonders, wenn du einen Hang zu Neurotizismus hast, kann es öfters vorkommen, dass du dich in Selbstmitleid badest und du kein Licht am Ende des Tunnels siehst, wenn die Dinge einfach nicht wollen, wie du es willst. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn du glaubst, du kannst einfach keine Frauen für dich begeistern, weil zu schüchtern/dick/hässlich oder sonst etwas bist und deshalb unglücklich alleine bleibst. Das wäre ein klassischer Fall von Selbstsabotage. Solltest du also an einen Punkt kommen, an dem du scheinbar feststeckst, lohnt es sich, in einen Experten auf diesem Gebiet zu investieren. Oftmals fehlen nur kleine Anpassungen, um das Plateau wieder zu verlassen, auf dem man sich befindet.

Hier nochmal eine Zusammenfassung zum Schluss

Die Zufriedenheit in jedem Bereich deines Lebens lässt sich im Großen und Ganzen in die Zufriedenheitsformel packen:

Zufriedenheit = (wahrgenommene) Realität – Ansprüche/Wünsche/Erwartungen

Ausgehend davon können wir unsere Zufriedenheit im Leben über zwei Dinge steigern:

  1. Wir passen unsere Wünsche, Erwartungen und Ansprüche nach unten an.
  2. Wir verändern unsere Realität, dass sie unsere Wünsche, Erwartungen und Ansprüche erfüllen und vielleicht sogar übertreffen kann.

Für den 1. Punkt ist Gelassenheit wichtig, für den 2. Punkt Mut. Um zu wissen, wann das eine und wann das andere für dich richtig ist, brauchst du Weisheit, die automatisch aus Lebenserfahrungen, Wissen und manchmal durch die Hilfe von anderen entsteht.

Ich wünsche dir alles gute und ein zufriedenes Leben,

dein Max

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